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Richtig zitieren: deutsche Zitierweise, Harvard und APA im Vergleich

Dieselbe Quelle in drei Zitierweisen: Fußnoten mit Vollbeleg und Kurzbeleg, Harvard und APA 7 auf Deutsch. Mit Regeln zu vgl., ebd., f. und ff., Sekundärzitaten, Blockzitaten und einer Entscheidungshilfe nach Fach.

Sep 21, 2026
Richtig zitieren: deutsche Zitierweise, Harvard und APA im Vergleich

TL;DR

An deutschen Hochschulen gibt es zwei Grundsysteme. Bei der deutschen Zitierweise steht der Beleg in einer Fußnote, bei Harvard und APA als Kurzbeleg in Klammern im Text. Fußnoten dominieren in Jura, Geschichte, den Philologien und Teilen der BWL, Harvard in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, APA 7 in Psychologie und Erziehungswissenschaft. Harvard ist keine Norm, sondern eine Familie ähnlicher Hausstile, APA ist bis ins Detail festgelegt. Welche Zitierweise gilt, bestimmt der Leitfaden des Lehrstuhls. Innerhalb einer Arbeit wird nie gemischt.

Wer an einer deutschen Hochschule eine Hausarbeit oder Abschlussarbeit schreibt, begegnet fast immer einer von drei Zitierweisen: der deutschen Zitierweise mit Fußnoten, der Harvard-Zitierweise oder dem APA-Stil. Dieser Leitfaden zeigt alle drei an derselben Quelle, erklärt die Regeln, die am häufigsten Punkte kosten, und hilft bei der Wahl, falls Ihr Lehrstuhl sie Ihnen überlässt.

Die Beispiele verwenden veröffentlichte Werke: das Lehrbuch von Manuel René Theisen (18. Auflage, 2021) und zwei Aufsätze aus der Zeitschrift Gruppe. Interaktion. Organisation (GIO). Die Angaben wurden am 21.09.2026 mit dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und mit Crossref abgeglichen, die Seitenzahlen zu Theisen stammen aus dem Inhaltsverzeichnis des Buches (Abschnitt 6.3, „Zitate“). Nur beim Sekundärzitat stehen Platzhalter in eckigen Klammern.

Zwei Systeme, drei Namen

Im Kern gibt es nur zwei Verfahren:

Daneben gibt es numerische Systeme wie IEEE oder Vancouver, bei denen eine Zahl in eckigen Klammern auf ein nummeriertes Verzeichnis verweist. Sie sind in Technik und Medizin verbreitet und werden hier nicht behandelt. Die Norm DIN ISO 690 lässt sich mit jedem der drei Verfahren kombinieren.

Dieselbe Quelle in allen drei Zitierweisen

Ausgangspunkt ist ein sinngemäßer (indirekter) Verweis auf eine Monografie, Seiten 145 bis 148.

Deutsche Zitierweise

Im Text: Beim Quellennachweis in der Fußnote wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden.¹

Erste Nennung (Vollbeleg): ¹ Vgl. Theisen, Manuel René: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 18. Aufl., München: Vahlen 2021, S. 145–148.

Spätere Nennung (Kurzbeleg), hier zum Abschnitt über das indirekte Zitat: ⁷ Vgl. Theisen: Wissenschaftliches Arbeiten, S. 158.

Unmittelbar folgende Nennung derselben Quelle, hier zum Abschnitt über das Sekundärzitat: ⁸ Vgl. ebd., S. 162.

Harvard

Beim Quellennachweis wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden (vgl. Theisen 2021, S. 145–148).

Varianten, je nach Leitfaden: (Theisen 2021: 145–148) (Theisen, 2021, S. 145–148)

APA 7

Beim Quellennachweis wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden (Theisen, 2021, S. 145–148).

Im Satz: Theisen (2021, S. 145–148) unterscheidet beim Quellennachweis zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg.

Eintrag im Literaturverzeichnis

Deutsche Zitierweise: Theisen, Manuel René: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 18. Aufl., München: Vahlen 2021.

Harvard (eine verbreitete Form): Theisen, Manuel René (2021): Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. 18. Aufl. München: Vahlen.

APA 7: Theisen, M. R. (2021). Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit (18. Aufl.). Vahlen.

An den drei Einträgen sieht man die typischen Unterschiede: APA kürzt Vornamen ab, setzt den Titel kursiv und nennt seit der 7. Auflage keinen Verlagsort mehr. Harvard zieht das Jahr nach vorn. Die deutsche Zitierweise stellt das Jahr ans Ende.

Die deutsche Zitierweise im Detail

Vollbeleg und Kurzbeleg

Klassisch steht bei der ersten Nennung einer Quelle der vollständige Beleg in der Fußnote, danach genügt ein Kurzbeleg aus Nachname, Kurztitel und Seite. Weil jede Arbeit ohnehin ein Literaturverzeichnis enthält, verlangen viele Lehrstühle inzwischen von der ersten Fußnote an nur noch Kurzbelege, häufig in der Form Nachname Jahr, Seite. Das ist dann faktisch Harvard in der Fußnote. Welche Variante gilt, steht im Leitfaden.

vgl., ebd., a. a. O., f. und ff.

KürzelBedeutungVerwendung
Vgl.vergleicheLeitet die Fußnote zu einem sinngemäßen Zitat ein. Bei wörtlichen Zitaten entfällt es.
ebd.ebendaDieselbe Quelle wie in der unmittelbar vorangehenden Fußnote. Mit anderer Seite: ebd., S. 60.
a. a. O.am angegebenen OrtVerweist auf eine früher voll belegte Quelle. Gilt als veraltet, weil Lesende zurückblättern müssen. Der Kurzbeleg ist die bessere Wahl.
f.folgendeDie genannte und die nächste Seite: S. 42 f.
ff.fortfolgendeDie genannte und mehrere folgende Seiten: S. 42 ff. Genauer und deshalb oft bevorzugt ist der Bereich: S. 42–45.

Eine Fußnote ist ein Satz. Sie beginnt mit einem Großbuchstaben und endet mit einem Punkt.

Wohin gehört die Fußnotenziffer?

Bezieht sich der Beleg auf den ganzen Satz oder Absatz, steht die Ziffer nach dem Satzzeichen. Bezieht er sich nur auf ein Wort oder eine Wortgruppe, steht sie direkt dahinter, vor dem Satzzeichen. Bei einem wörtlichen Zitat folgt sie unmittelbar auf das schließende Anführungszeichen.

Harvard im Detail

Harvard ist kein Regelwerk mit Herausgeber, sondern ein Sammelname für Autor-Jahr-Stile. Das erklärt, warum zwei Harvard-Leitfäden selten in allen Punkten übereinstimmen. Offen sind vor allem:

Entscheiden Sie diese Punkte einmal, am besten anhand des Leitfadens, und halten Sie sie in der ganzen Arbeit durch. Einheitlichkeit wird bei Harvard strenger bewertet als die einzelne Variante.

APA 7 im Detail

Der APA-Stil ist im Publication Manual of the American Psychological Association (7. Auflage, 2020) festgelegt. Für deutschsprachige Arbeiten in der Psychologie gibt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie die Richtlinien zur Manuskriptgestaltung heraus (5., aktualisierte Auflage, Hogrefe 2019). Die wichtigsten Regeln für den Beleg im Text:

Den vollständigen Stil mit allen Quellentypen behandelt der englische APA-Leitfaden.

Regeln, die für alle drei gelten

Wörtliches und sinngemäßes Zitat

Ein wörtliches Zitat steht in Anführungszeichen und wird buchstabengetreu übernommen. Auslassungen kennzeichnen Sie mit […], eigene Ergänzungen mit eckigen Klammern und, wo verlangt, Ihren Initialen. Ein sinngemäßes Zitat gibt den Gedanken in eigenen Worten wieder und wird ebenfalls belegt. Ein einzelnes ausgetauschtes Wort macht aus einem Satz noch keine Paraphrase.

Längere wörtliche Zitate werden als Blockzitat eingerückt. Die Schwelle liegt bei APA bei 40 Wörtern, in deutschen Leitfäden meist bei drei Zeilen.

Sekundärzitat

Wenn Sie eine Quelle nur aus einer anderen kennen, zitieren Sie beide und machen den Umweg sichtbar. Ins Literaturverzeichnis kommt nur die Quelle, die Sie tatsächlich gelesen haben. Das Muster zeigt die Form mit Platzhaltern, weil ein Sekundärzitat immer von Ihrer eigenen Lektüre abhängt. Theisen behandelt das Sekundärzitat in Abschnitt 6.3.3.3 (2021, S. 162).

Fußnote: ¹ [Originalautor]: [Kurztitel des Originals], S. [x], zit. nach [gelesene Autorin]: [Kurztitel der gelesenen Quelle], S. [y].

Harvard: ([Originalautor] [Jahr], S. [x], zit. nach [gelesene Autorin] [Jahr], S. [y])

APA 7: ([Originalautor], [Jahr], zitiert nach [gelesene Autorin], [Jahr], S. [y])

Sekundärzitate sind eine Notlösung. Ist das Original beschaffbar, etwa per Fernleihe, wird erwartet, dass Sie es selbst prüfen.

Mehrere Werke, gleiche Jahre, fehlende Angaben

Überblick

MerkmalDeutsche ZitierweiseHarvardAPA 7
Ort des BelegsFußnoteKlammer im TextKlammer im Text
Form des KurzbelegsNachname: Kurztitel, S. 42.(Nachname 2021, S. 42)(Nachname, 2021, S. 42)
vgl. bei Paraphrasenjaje nach Leitfadennein
ebd.möglichunüblichnicht vorgesehen
Verbindliches Regelwerknein, Leitfaden des Lehrstuhlsnein, Leitfaden der Hochschuleja, Publication Manual (7. Auflage)
Vornamen im Verzeichnismeist ausgeschriebenunterschiedlichabgekürzt
Verlagsortjameist janein
Typische FächerJura, Geschichte, Philologien, Theologie, Philosophie, Teile der BWLSozial- und Wirtschaftswissenschaften, NaturwissenschaftenPsychologie, Erziehungswissenschaft, Gesundheits- und Sozialwissenschaften

Welche Zitierweise passt zu Ihrer Arbeit?

  1. Leitfaden lesen. Fast jeder Lehrstuhl hat ein Dokument mit dem Titel „Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten“ oder ähnlich. Was dort steht, gilt, auch wenn es von diesem Text abweicht.
  2. Nachfragen, wenn der Leitfaden schweigt. Eine kurze E-Mail an die Betreuung kostet weniger als eine Überarbeitung von 300 Belegen.
  3. Nach dem Fach richten. Wer viel mit Archivquellen, Gesetzen, Urteilen oder kommentierenden Anmerkungen arbeitet, ist mit Fußnoten besser bedient. Wer viele empirische Studien zusammenfasst, schreibt mit Autor-Jahr-Belegen flüssiger.
  4. Früh festlegen. Die Zitierweise gehört in die Literaturverwaltung eingestellt, bevor das erste Kapitel entsteht. Zotero und Citavi stellen per Mausklick zwischen den Stilen um, ein von Hand gepflegtes Verzeichnis nicht.

Häufige Fehler

Wonders durchsucht OpenAlex und Semantic Scholar. Zitate in den Zusammenfassungen werden gegen den Text der Arbeit geprüft. Literaturangaben gibt es in sechs Stilen (APA, MLA, Chicago, Harvard, IEEE, Vancouver), dazu den Export als BibTeX oder RIS für Zotero und Citavi, falls Ihr Lehrstuhl eine andere Zitierweise verlangt. Geschrieben wird die Arbeit von Ihnen.

Quellen

Frequently asked questions

Was ist der Unterschied zwischen der deutschen Zitierweise und Harvard?

Der Ort des Belegs. Bei der deutschen Zitierweise verweist eine hochgestellte Ziffer auf eine Fußnote am Seitenende, in der die Quelle steht. Bei Harvard steht ein Kurzbeleg aus Autor, Jahr und Seite in Klammern direkt im Satz. Das Literaturverzeichnis am Ende brauchen beide.

Muss ich bei indirekten Zitaten vgl. schreiben?

In der deutschen Zitierweise ja: Eine Fußnote zu einer sinngemäßen Wiedergabe beginnt mit Vgl. Bei Harvard hängt es vom Leitfaden ab, viele deutsche Lehrstühle verlangen es, andere nicht. APA 7 kennt kein vgl. für gewöhnliche Paraphrasen. Dort unterscheidet allein das Anführungszeichen zwischen wörtlichem und sinngemäßem Zitat.

Wann darf ich ebd. verwenden?

Nur wenn die unmittelbar vorangehende Fußnote dieselbe Quelle nennt. Steht dazwischen ein anderer Beleg, ist ebd. falsch. Viele Leitfäden raten inzwischen ganz davon ab, weil ein nachträglich eingefügter Beleg jedes folgende ebd. unbemerkt auf die falsche Quelle zeigen lässt.

Sind Harvard und APA dasselbe?

Nein. Beide arbeiten mit Autor und Jahr im Text, aber nur APA ist ein verbindliches Regelwerk (Publication Manual, 7. Auflage, 2020). Harvard ist eine Sammelbezeichnung für Autor-Jahr-Stile, die sich in Zeichensetzung und Details von Hochschule zu Hochschule unterscheiden.

Darf ich die Zitierweise selbst wählen?

Nur wenn Leitfaden und Betreuung es offenlassen. Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Leitfaden des Lehrstuhls oder Instituts, Vorgaben des Fachbereichs, Absprache mit der Betreuerin oder dem Betreuer. Erst wenn nichts vorgegeben ist, wählen Sie die im Fach übliche Zitierweise und halten sie konsequent durch.

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