Wer an einer deutschen Hochschule eine Hausarbeit oder Abschlussarbeit schreibt, begegnet fast immer einer von drei Zitierweisen: der deutschen Zitierweise mit Fußnoten, der Harvard-Zitierweise oder dem APA-Stil. Dieser Leitfaden zeigt alle drei an derselben Quelle, erklärt die Regeln, die am häufigsten Punkte kosten, und hilft bei der Wahl, falls Ihr Lehrstuhl sie Ihnen überlässt.
Die Beispiele verwenden veröffentlichte Werke: das Lehrbuch von Manuel René Theisen (18. Auflage, 2021) und zwei Aufsätze aus der Zeitschrift Gruppe. Interaktion. Organisation (GIO). Die Angaben wurden am 21.09.2026 mit dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und mit Crossref abgeglichen, die Seitenzahlen zu Theisen stammen aus dem Inhaltsverzeichnis des Buches (Abschnitt 6.3, „Zitate“). Nur beim Sekundärzitat stehen Platzhalter in eckigen Klammern.
Zwei Systeme, drei Namen
Im Kern gibt es nur zwei Verfahren:
- Beleg in der Fußnote. Im Text steht eine hochgestellte Ziffer, die Quelle steht am Seitenende. Das ist die deutsche Zitierweise. International entspricht ihr am ehesten das Notes-Bibliography-System des Chicago Manual of Style.
- Beleg im Text. Autor, Jahr und Seite stehen in Klammern im Satz. Das ist das Autor-Jahr-System, im Deutschen oft amerikanische Zitierweise genannt. Harvard und APA sind zwei Ausprägungen davon.
Daneben gibt es numerische Systeme wie IEEE oder Vancouver, bei denen eine Zahl in eckigen Klammern auf ein nummeriertes Verzeichnis verweist. Sie sind in Technik und Medizin verbreitet und werden hier nicht behandelt. Die Norm DIN ISO 690 lässt sich mit jedem der drei Verfahren kombinieren.
Dieselbe Quelle in allen drei Zitierweisen
Ausgangspunkt ist ein sinngemäßer (indirekter) Verweis auf eine Monografie, Seiten 145 bis 148.
Deutsche Zitierweise
Im Text: Beim Quellennachweis in der Fußnote wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden.¹
Erste Nennung (Vollbeleg): ¹ Vgl. Theisen, Manuel René: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 18. Aufl., München: Vahlen 2021, S. 145–148.
Spätere Nennung (Kurzbeleg), hier zum Abschnitt über das indirekte Zitat: ⁷ Vgl. Theisen: Wissenschaftliches Arbeiten, S. 158.
Unmittelbar folgende Nennung derselben Quelle, hier zum Abschnitt über das Sekundärzitat: ⁸ Vgl. ebd., S. 162.
Harvard
Beim Quellennachweis wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden (vgl. Theisen 2021, S. 145–148).
Varianten, je nach Leitfaden: (Theisen 2021: 145–148) (Theisen, 2021, S. 145–148)
APA 7
Beim Quellennachweis wird zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg unterschieden (Theisen, 2021, S. 145–148).
Im Satz: Theisen (2021, S. 145–148) unterscheidet beim Quellennachweis zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg.
Eintrag im Literaturverzeichnis
Deutsche Zitierweise: Theisen, Manuel René: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 18. Aufl., München: Vahlen 2021.
Harvard (eine verbreitete Form): Theisen, Manuel René (2021): Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. 18. Aufl. München: Vahlen.
APA 7: Theisen, M. R. (2021). Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit (18. Aufl.). Vahlen.
An den drei Einträgen sieht man die typischen Unterschiede: APA kürzt Vornamen ab, setzt den Titel kursiv und nennt seit der 7. Auflage keinen Verlagsort mehr. Harvard zieht das Jahr nach vorn. Die deutsche Zitierweise stellt das Jahr ans Ende.
Die deutsche Zitierweise im Detail
Vollbeleg und Kurzbeleg
Klassisch steht bei der ersten Nennung einer Quelle der vollständige Beleg in der Fußnote, danach genügt ein Kurzbeleg aus Nachname, Kurztitel und Seite. Weil jede Arbeit ohnehin ein Literaturverzeichnis enthält, verlangen viele Lehrstühle inzwischen von der ersten Fußnote an nur noch Kurzbelege, häufig in der Form Nachname Jahr, Seite. Das ist dann faktisch Harvard in der Fußnote. Welche Variante gilt, steht im Leitfaden.
vgl., ebd., a. a. O., f. und ff.
| Kürzel | Bedeutung | Verwendung |
|---|---|---|
| Vgl. | vergleiche | Leitet die Fußnote zu einem sinngemäßen Zitat ein. Bei wörtlichen Zitaten entfällt es. |
| ebd. | ebenda | Dieselbe Quelle wie in der unmittelbar vorangehenden Fußnote. Mit anderer Seite: ebd., S. 60. |
| a. a. O. | am angegebenen Ort | Verweist auf eine früher voll belegte Quelle. Gilt als veraltet, weil Lesende zurückblättern müssen. Der Kurzbeleg ist die bessere Wahl. |
| f. | folgende | Die genannte und die nächste Seite: S. 42 f. |
| ff. | fortfolgende | Die genannte und mehrere folgende Seiten: S. 42 ff. Genauer und deshalb oft bevorzugt ist der Bereich: S. 42–45. |
Eine Fußnote ist ein Satz. Sie beginnt mit einem Großbuchstaben und endet mit einem Punkt.
Wohin gehört die Fußnotenziffer?
Bezieht sich der Beleg auf den ganzen Satz oder Absatz, steht die Ziffer nach dem Satzzeichen. Bezieht er sich nur auf ein Wort oder eine Wortgruppe, steht sie direkt dahinter, vor dem Satzzeichen. Bei einem wörtlichen Zitat folgt sie unmittelbar auf das schließende Anführungszeichen.
Harvard im Detail
Harvard ist kein Regelwerk mit Herausgeber, sondern ein Sammelname für Autor-Jahr-Stile. Das erklärt, warum zwei Harvard-Leitfäden selten in allen Punkten übereinstimmen. Offen sind vor allem:
- Komma oder kein Komma zwischen Autor und Jahr
- Seitenangabe mit „S.“ oder mit Doppelpunkt
- „vgl.“ bei sinngemäßen Zitaten, ja oder nein
- „et al.“ oder „u. a.“ ab drei oder ab vier Autorinnen und Autoren
- Jahr im Literaturverzeichnis in Klammern oder ohne
Entscheiden Sie diese Punkte einmal, am besten anhand des Leitfadens, und halten Sie sie in der ganzen Arbeit durch. Einheitlichkeit wird bei Harvard strenger bewertet als die einzelne Variante.
APA 7 im Detail
Der APA-Stil ist im Publication Manual of the American Psychological Association (7. Auflage, 2020) festgelegt. Für deutschsprachige Arbeiten in der Psychologie gibt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie die Richtlinien zur Manuskriptgestaltung heraus (5., aktualisierte Auflage, Hogrefe 2019). Die wichtigsten Regeln für den Beleg im Text:
- Autor, Jahr und Seite werden durch Kommas getrennt: (Theisen, 2021, S. 145).
- Bei zwei Autoren steht in der Klammer das Et-Zeichen, im Fließtext „und“: (Schneider & Schwark, 2023), aber: Schneider und Schwark (2023) zeigen.
- Ab drei Autoren wird von der ersten Nennung an gekürzt. Der Aufsatz von Becker, Thörel, Pauls und Göritz wird zu (Becker et al., 2022).
- Kein „vgl.“ bei Paraphrasen. Die Seitenangabe ist bei Paraphrasen empfohlen, bei wörtlichen Zitaten Pflicht.
- Wörtliche Zitate ab 40 Wörtern werden als eingerückter Block ohne Anführungszeichen gesetzt.
Den vollständigen Stil mit allen Quellentypen behandelt der englische APA-Leitfaden.
Regeln, die für alle drei gelten
Wörtliches und sinngemäßes Zitat
Ein wörtliches Zitat steht in Anführungszeichen und wird buchstabengetreu übernommen. Auslassungen kennzeichnen Sie mit […], eigene Ergänzungen mit eckigen Klammern und, wo verlangt, Ihren Initialen. Ein sinngemäßes Zitat gibt den Gedanken in eigenen Worten wieder und wird ebenfalls belegt. Ein einzelnes ausgetauschtes Wort macht aus einem Satz noch keine Paraphrase.
Längere wörtliche Zitate werden als Blockzitat eingerückt. Die Schwelle liegt bei APA bei 40 Wörtern, in deutschen Leitfäden meist bei drei Zeilen.
Sekundärzitat
Wenn Sie eine Quelle nur aus einer anderen kennen, zitieren Sie beide und machen den Umweg sichtbar. Ins Literaturverzeichnis kommt nur die Quelle, die Sie tatsächlich gelesen haben. Das Muster zeigt die Form mit Platzhaltern, weil ein Sekundärzitat immer von Ihrer eigenen Lektüre abhängt. Theisen behandelt das Sekundärzitat in Abschnitt 6.3.3.3 (2021, S. 162).
Fußnote: ¹ [Originalautor]: [Kurztitel des Originals], S. [x], zit. nach [gelesene Autorin]: [Kurztitel der gelesenen Quelle], S. [y].
Harvard: ([Originalautor] [Jahr], S. [x], zit. nach [gelesene Autorin] [Jahr], S. [y])
APA 7: ([Originalautor], [Jahr], zitiert nach [gelesene Autorin], [Jahr], S. [y])
Sekundärzitate sind eine Notlösung. Ist das Original beschaffbar, etwa per Fernleihe, wird erwartet, dass Sie es selbst prüfen.
Mehrere Werke, gleiche Jahre, fehlende Angaben
- Zwei Werke derselben Person aus demselben Jahr erhalten Kleinbuchstaben: 2021a, 2021b. Die Buchstaben stehen auch im Literaturverzeichnis.
- Fehlt das Jahr, steht „o. J.“ (ohne Jahr), in APA-Arbeiten auch „o. D.“ (ohne Datum).
- Fehlt der Autor, verwenden die deutsche Zitierweise und Harvard häufig „o. V.“ (ohne Verfasser). APA rückt stattdessen den Titel an die Stelle des Autors. Ist eine Organisation Urheberin, wird sie als Autorin genannt.
Überblick
| Merkmal | Deutsche Zitierweise | Harvard | APA 7 |
|---|---|---|---|
| Ort des Belegs | Fußnote | Klammer im Text | Klammer im Text |
| Form des Kurzbelegs | Nachname: Kurztitel, S. 42. | (Nachname 2021, S. 42) | (Nachname, 2021, S. 42) |
| vgl. bei Paraphrasen | ja | je nach Leitfaden | nein |
| ebd. | möglich | unüblich | nicht vorgesehen |
| Verbindliches Regelwerk | nein, Leitfaden des Lehrstuhls | nein, Leitfaden der Hochschule | ja, Publication Manual (7. Auflage) |
| Vornamen im Verzeichnis | meist ausgeschrieben | unterschiedlich | abgekürzt |
| Verlagsort | ja | meist ja | nein |
| Typische Fächer | Jura, Geschichte, Philologien, Theologie, Philosophie, Teile der BWL | Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften | Psychologie, Erziehungswissenschaft, Gesundheits- und Sozialwissenschaften |
Welche Zitierweise passt zu Ihrer Arbeit?
- Leitfaden lesen. Fast jeder Lehrstuhl hat ein Dokument mit dem Titel „Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten“ oder ähnlich. Was dort steht, gilt, auch wenn es von diesem Text abweicht.
- Nachfragen, wenn der Leitfaden schweigt. Eine kurze E-Mail an die Betreuung kostet weniger als eine Überarbeitung von 300 Belegen.
- Nach dem Fach richten. Wer viel mit Archivquellen, Gesetzen, Urteilen oder kommentierenden Anmerkungen arbeitet, ist mit Fußnoten besser bedient. Wer viele empirische Studien zusammenfasst, schreibt mit Autor-Jahr-Belegen flüssiger.
- Früh festlegen. Die Zitierweise gehört in die Literaturverwaltung eingestellt, bevor das erste Kapitel entsteht. Zotero und Citavi stellen per Mausklick zwischen den Stilen um, ein von Hand gepflegtes Verzeichnis nicht.
Häufige Fehler
- Mischformen: Fußnoten im einen Kapitel, Klammerbelege im nächsten.
- „ebd.“ nach einem Einschub: Zwischen den beiden Fußnoten steht inzwischen eine andere Quelle.
- Fehlendes „Vgl.“ in der deutschen Zitierweise oder überflüssiges „vgl.“ in einer APA-Arbeit.
- Seitenzahl vergessen: In deutschsprachigen Arbeiten wird sie auch bei sinngemäßen Zitaten fast immer erwartet.
- Kurzbeleg ohne Verzeichniseintrag: Jede im Text belegte Quelle steht im Literaturverzeichnis und umgekehrt.
- Ein Beleg am Ende einer ganzen Seite: Er deckt nur den Satz oder Absatz ab, an dem er steht. Wer eine Quelle über mehrere Absätze referiert, macht das sprachlich deutlich („Theisen führt weiter aus …“) und belegt erneut.
- Quellen aus KI-Antworten ungeprüft übernommen: Sprachmodelle erfinden Titel und Seitenzahlen. Was Sie nicht selbst in der Hand oder auf dem Bildschirm hatten, gehört nicht ins Verzeichnis. Mehr dazu im Leitfaden KI-Tools in der Abschlussarbeit.
Quellen
- American Psychological Association. (2020). Publication manual of the American Psychological Association (7. Aufl.). https://doi.org/10.1037/0000165-000
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie (Hrsg.). (2019). Richtlinien zur Manuskriptgestaltung (5., aktualisierte Aufl.). Hogrefe.
- Theisen, M. R. (2021). Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit (18. Aufl.). Vahlen. Abschnitt 6.3 zu Vollbeleg, Kurzbeleg, direktem und indirektem Zitat und Sekundärzitat. Inhaltsverzeichnis bei der Deutschen Nationalbibliothek
- Technische Hochschule Ingolstadt, Bibliothek. (2015). Zitierregeln nach DIN ISO 690 (V. 1, 18.03.2015; Kurzverweise in der Fußnote mit Vgl., Sortierung des Literaturverzeichnisses). Im Kopf nennt die Handreichung nur „Bibliothek“; der Kontakt im Fuß (bibliothek@thi.de) und das E-Learning-Modul der Universitätsbibliothek Chemnitz, das dieselbe Datei als Handreichung der TH Ingolstadt ausweist, belegen die Urheberschaft. Geprüft wurde eine im Internet Archive gespiegelte Kopie.
- The University of Chicago Press. (2024). The Chicago manual of style (18. Aufl.), Kapitel 13 und 14 zu den Quellenangaben.
