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Literaturrecherche: Vorgehen, Suchstrategie und Datenbanken

Literaturrecherche Schritt für Schritt: Suchbegriffe finden, mit Operatoren kombinieren, die richtigen Kataloge und Fachdatenbanken wählen (KVK, DBIS, EZB, BASE, WISO, PubMed, PSYNDEX und andere), an Volltexte kommen, Quellen bewerten und die Suche dokumentieren.

Sep 21, 2026
Literaturrecherche: Vorgehen, Suchstrategie und Datenbanken

TL;DR

Eine gute Literaturrecherche verbindet zwei Verfahren: die systematische Suche mit festgelegten Begriffen in Katalogen und Fachdatenbanken und das Schneeballverfahren über Literaturverzeichnisse und Zitationen. Zerlegen Sie Ihre Frage in Konzepte, sammeln Sie zu jedem Synonyme auf Deutsch und Englisch, verbinden Sie sie mit AND und OR und suchen Sie dort, wo Ihr Fach publiziert. Das Datenbank-Infosystem DBIS zeigt, welche Datenbanken Ihre Hochschule lizenziert hat. Führen Sie ein Rechercheprotokoll und hören Sie auf, wenn neue Treffer nur noch Bekanntes liefern.

Die Literaturrecherche entscheidet darüber, auf welchem Fundament Ihre Arbeit steht. Wer planlos sucht, findet viel Zufälliges und übersieht das Wesentliche. Dieser Leitfaden beschreibt ein Vorgehen in sieben Schritten und nennt die Kataloge und Datenbanken, die an deutschsprachigen Hochschulen tatsächlich zur Verfügung stehen. Wie aus den Funden ein Kapitel wird, zeigt der Leitfaden Forschungsstand schreiben.

Schritt 1: Die Frage in Konzepte zerlegen

Eine Suchanfrage besteht nicht aus dem Titel Ihrer Arbeit, sondern aus deren Bausteinen. Aus der Frage „Wie wirkt sich Homeoffice auf die Arbeitszufriedenheit von Büroangestellten aus?“ werden drei Konzepte: Homeoffice, Arbeitszufriedenheit, Büroangestellte.

Schritt 2: Suchbegriffe sammeln

Zu jedem Konzept sammeln Sie Synonyme, Ober- und Unterbegriffe, verwandte Begriffe und die englischen Entsprechungen. Der größte Teil der Forschung erscheint in den meisten Fächern auf Englisch.

Konzept 1Konzept 2Konzept 3
HomeofficeArbeitszufriedenheitBüroangestellte
TelearbeitBerufszufriedenheitWissensarbeiter
mobiles ArbeitenWohlbefinden am ArbeitsplatzAngestellte
remote workjob satisfactionoffice workers
telework, telecommutingwork satisfactionknowledge workers
working from homeemployee well-beingwhite-collar employees

Quellen für Suchbegriffe sind Lehr- und Handbücher, die Schlagwörter eines passenden Treffers im Bibliothekskatalog und die Thesauri der Fachdatenbanken, zum Beispiel MeSH in PubMed oder der Standard-Thesaurus Wirtschaft in EconBiz.

Schritt 3: Begriffe verknüpfen

WerkzeugWirkungBeispiel
ORverbindet Synonyme innerhalb eines Konzepts, erweitert die Treffermengetelework OR "remote work"
ANDverbindet die Konzepte, schränkt eintelework AND "job satisfaction"
NOTschließt aus. Sparsam einsetzen, weil auch Relevantes verloren gehttelework NOT students
AnführungszeichenPhrasensuche, Wörter genau in dieser Folge"working from home"
Trunkierung mit *findet alle Endungentelework* findet telework, teleworker, teleworking
Klammernlegen die Reihenfolge fest(telework* OR "remote work") AND "job satisfaction"
Feldsuchesucht nur im Titel, Abstract oder SchlagwortTI, AB, SU, je nach Datenbank

Eine vollständige Suchanfrage für das Beispiel:

(homeoffice OR telearbeit OR "mobiles arbeiten" OR telework* OR "remote work" OR "working from home") AND (arbeitszufriedenheit OR "job satisfaction" OR "work satisfaction")

Die Operatoren und Platzhalter unterscheiden sich von Datenbank zu Datenbank. Ein Blick in die Hilfeseite erspart leere Trefferlisten. Zu viele Treffer? Ein weiteres Konzept mit AND ergänzen, auf Titel und Abstract beschränken, den Zeitraum eingrenzen. Zu wenige? Synonyme mit OR ergänzen, trunkieren, ein Konzept streichen.

Schritt 4: Am richtigen Ort suchen

Kataloge und Suchportale

WerkzeugBetreiberWofür
Katalog oder Discovery-System Ihrer BibliothekHochschulbibliothekBücher, E-Books und lizenzierte Aufsätze, die Sie sofort nutzen können
Karlsruher Virtueller Katalog (KVK)KIT-BibliothekMetasuche über Bibliotheks- und Verbundkataloge weltweit, wenn ein Buch vor Ort fehlt
Katalog der Deutschen NationalbibliothekDNBalle in Deutschland erschienenen Veröffentlichungen, auch Dissertationen
Datenbank-Infosystem (DBIS)Universitätsbibliothek Regensburgzeigt nach Fächern sortiert, welche Datenbanken es gibt und welche Ihre Hochschule lizenziert hat
Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)Universitätsbibliothek Regensburgzeigt mit Ampelfarben, auf welche Zeitschriften Sie im Volltext zugreifen können
BASEUniversitätsbibliothek BielefeldSuchmaschine für frei zugängliche wissenschaftliche Dokumente aus Repositorien
Google ScholarGooglebreite Suche, Zitationszahlen, „Zitiert von“

DBIS ist der beste Startpunkt, wenn Sie nicht wissen, welche Datenbank zu Ihrem Fach gehört.

Fachdatenbanken nach Fach

FachDatenbanken
WirtschaftswissenschaftenWISO, EconBiz (ZBW), Business Source (EBSCO), EconLit
SozialwissenschaftenSSOAR (GESIS), SocINDEX, Sociological Abstracts, WISO
PsychologiePSYNDEX und PubPsych (ZPID), PsycInfo (APA)
ErziehungswissenschaftFIS Bildung im Fachportal Pädagogik (DIPF), ERIC
Medizin, Gesundheit, PflegePubMed, LIVIVO (ZB MED), Cochrane Library, CINAHL
Rechtswissenschaftjuris, beck-online
Technik, InformatikIEEE Xplore, ACM Digital Library, dblp
NaturwissenschaftenWeb of Science, Scopus, SciFinder (Chemie), arXiv (Preprints)
GeisteswissenschaftenJSTOR, MLA International Bibliography, Deutsche Historische Bibliografie, BDSL (Germanistik)
fachübergreifendWeb of Science, Scopus

Welche davon Sie nutzen können, hängt von den Lizenzen Ihrer Hochschule ab. Frei zugänglich sind unter anderem PubMed, PubPsych, EconBiz, SSOAR, FIS Bildung, LIVIVO, ERIC, BASE, dblp und arXiv.

Schritt 5: Das Schneeballverfahren

Haben Sie eine zentrale Arbeit gefunden, am besten eine aktuelle Übersichtsarbeit oder Metaanalyse, suchen Sie von dort in zwei Richtungen:

Das Verfahren ist schnell, hat aber eine Schwäche. Wer nur Verweisen folgt, bleibt in einem Zitierkreis und übersieht Arbeiten aus anderen Schulen oder Disziplinen. Deshalb ergänzt es die systematische Suche und ersetzt sie nicht.

Schritt 6: An den Volltext kommen

  1. Lizenzierter Zugang: im Campusnetz, per VPN oder über den institutionellen Login auf der Verlagsseite. Die EZB zeigt, ob eine Zeitschrift für Ihre Hochschule freigeschaltet ist.
  2. Frei zugängliche Fassung: Viele Aufsätze liegen als Manuskriptfassung in einem Repositorium. Die Browsererweiterung Unpaywall und BASE finden solche Fassungen.
  3. Fernleihe: Bücher und Aufsatzkopien aus anderen Bibliotheken, bestellt über das Portal Ihres Bibliotheksverbunds. Gebühr und übliche Lieferzeit nennt Ihre Bibliothek.
  4. subito: ein kostenpflichtiger Lieferdienst für Dokumente aus Bibliotheken. Die Preise stehen auf der Seite des Dienstes.
  5. Nachfragen: Sie können Autorinnen und Autoren direkt um ein Exemplar ihres Aufsatzes bitten.

Planen Sie die Beschaffung früh. Ein per Fernleihe bestelltes Buch hilft in der letzten Woche vor der Abgabe nicht mehr.

Schritt 7: Bewerten, dokumentieren, aufhören

Quellen bewerten

Wikipedia, Ratgeberseiten, Skripte und Abschlussarbeiten anderer Studierender eignen sich zur Orientierung und gelten in der Regel nicht als zitierfähig. Dissertationen dagegen schon.

Rechercheprotokoll führen

Ein Protokoll verhindert, dass Sie dieselbe Suche dreimal durchführen, und liefert bei systematischen Literaturarbeiten den Methodenteil gleich mit. Die Vorlage zeigt die Spalten und drei Beispielzeilen. Trefferzahlen stehen als Platzhalter, weil sie sich mit jedem Tag und jeder Lizenz ändern und hier keine erfunden werden sollen.

DatumDatenbankSuchanfrageFilterTrefferdavon relevantNotiz
[Datum]WISO(homeoffice OR telearbeit) AND arbeitszufriedenheitab 2015[Zahl][Zahl][z. B. Anteil Praxisliteratur]
[Datum]PubPsych(telework* OR "remote work") AND "job satisfaction"ab 2015[Zahl][Zahl][z. B. gefundene Übersichtsarbeit]
[Datum]Google Scholar„Zitiert von“ zu Gajendran und Harrison (2007)ab 2020[Zahl][Zahl][z. B. neue Längsschnittstudien]

Gajendran und Harrison (2007) ist eine Metaanalyse zur Telearbeit im Journal of Applied Psychology (https://doi.org/10.1037/0021-9010.92.6.1524). An ihr zeigt der Leitfaden Forschungsstand schreiben, wie aus Funden eine Literaturmatrix wird.

Relevante Treffer wandern sofort in die Literaturverwaltung, mit PDF, Schlagwörtern und einer kurzen Notiz, wofür die Quelle gebraucht wird. Wie Sie eine solche Sammlung ordnen, beschreibt der englische Leitfaden Organizing Academic Literature.

Wann ist Schluss?

Wenn zwei Dinge zusammenkommen: Neue Suchanfragen und neue Literaturverzeichnisse liefern fast nur noch bekannte Titel, und Sie können die wichtigsten Positionen und Namen des Feldes aus dem Kopf nennen. Eine Recherche ist nie vollständig, sie muss nur für Ihre Frage ausreichend und nachvollziehbar sein. Richten Sie in den wichtigsten Datenbanken einen Suchalarm ein, damit Ihnen bis zur Abgabe nichts Neues entgeht.

KI-gestützte Suche

KI-Werkzeuge für die Literatursuche lassen sich in zwei Gruppen teilen. Allgemeine Chatbots erzeugen Text und können dabei auch Quellen nennen, die es nicht gibt. Spezialisierte Werkzeuge durchsuchen einen Bestand echter Publikationen und verlinken auf diese. Nur die zweite Gruppe ist für die Recherche brauchbar, und auch sie hat Grenzen: Der Bestand ist nicht vollständig, deutschsprachige Literatur und Bücher sind oft schwach abgedeckt, und eine Relevanzsortierung ist kein Qualitätsurteil.

Wenn Ihre Hochschule den Einsatz erlaubt, gehen Sie so vor:

  1. Nutzen Sie KI ergänzend zu Katalog und Fachdatenbank. Der KI-Leitfaden mehrerer Arbeitsbereiche der Freien Universität Berlin untersagt zum Beispiel ausdrücklich die ausschließliche Recherche mit KI-Tools.
  2. Prüfen Sie jede Quelle: Gibt es sie, stimmt der DOI, steht im Text, was die Zusammenfassung behauptet?
  3. Tragen Sie das Tool in Ihr Rechercheprotokoll und in das Hilfsmittelverzeichnis ein.

Einzelheiten zur Kennzeichnung stehen im Leitfaden KI-Tools in der Abschlussarbeit zitieren und kennzeichnen.

Wonders gehört zur zweiten Gruppe. Es hat keinen eigenen Index, sondern durchsucht OpenAlex und Semantic Scholar, bietet einen Baukasten für boolesche Suchanfragen und kann über EZproxy, OpenAthens oder OpenURL an den Zugang Ihrer Bibliothek angebunden werden. Es ersetzt weder DBIS noch die Fachdatenbank Ihres Fachs, und es schreibt Ihre Arbeit nicht.

Häufige Fehler

Quellen

Frequently asked questions

Reicht Google Scholar für die Literaturrecherche?

Als Einstieg ja, als einzige Quelle nein. Google Scholar ist breit, legt aber weder seine Quellen noch seine Sortierung offen, enthält Dubletten und nicht begutachtete Dokumente und bietet kaum Filter. Fachdatenbanken sind kleiner, dafür inhaltlich erschlossen und gezielt durchsuchbar. Für eine Abschlussarbeit sollten Sie mindestens den Bibliothekskatalog, eine Fachdatenbank und Google Scholar kombinieren.

Wie komme ich an Aufsätze hinter einer Bezahlschranke?

Zuerst über Ihre Hochschule: im Campusnetz, per VPN oder über den institutionellen Login (Shibboleth). Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek zeigt mit Ampelfarben, was lizenziert ist. Danach über frei zugängliche Fassungen in Repositorien, über Fernleihe oder den Lieferdienst subito. Sie können auch die Autorin oder den Autor um ein Exemplar bitten.

Wie viele Quellen muss ich finden?

Es gibt keine verbindliche Zahl. Wichtiger als die Menge ist, dass die zentralen und die aktuellen Arbeiten zu Ihrer Frage dabei sind. Ein gutes Zeichen ist Sättigung: Neue Suchen und neue Literaturverzeichnisse führen nur noch zu Titeln, die Sie schon kennen.

Was ist der Unterschied zwischen systematischer Recherche und Schneeballsystem?

Bei der systematischen Recherche durchsuchen Sie festgelegte Datenbanken mit festgelegten Suchbegriffen und dokumentieren das. Beim Schneeballsystem gehen Sie von einer guten Quelle aus und folgen ihren Literaturangaben rückwärts und den Arbeiten, die sie zitieren, vorwärts. Die systematische Suche ist vollständiger und nachvollziehbar, das Schneeballsystem schneller. In der Praxis braucht man beide.

Darf ich KI-Tools für die Literaturrecherche verwenden?

Das regelt Ihre Hochschule. Wo es erlaubt ist, gilt meist: nur ergänzend zur eigenen Suche, jede Quelle wird geprüft und gelesen, und das Tool wird im Hilfsmittelverzeichnis angegeben. Allgemeine Chatbots können Literaturangaben erfinden. Übernehmen Sie nie einen Titel, den Sie nicht selbst geöffnet haben.

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